zur Auswahl © W. Hartwig, 2002
Gustav Falke (1853 - 1916)
Wenn ich sterbe.
Legt rote Rosen mir um meine Stirne,
im Festgewande will ich von euch gehn,
und stoßt die Fenster auf, daß die Gestirne
mit  heiterm Lächeln  auf  mein Lager sehn.
Und dann Musik! Und während Lieder schallen,
von Hand zu Hand der Abschiedsbecher blinkt,
mag mählich über mich der Vorhang fallen,
wie Sommernacht auf reife Felder sinkt.
Texttrenner
Schuldner
von
Friedrich Schiller

Selbst in den alltäglichsten Verrichtungen des bürgerlichen Lebens können wir es nicht vermeiden, die Schuldner vergangener Jahrhunderte zu werden; die ungleichartigsten Perioden der Menschheit steuern zu unserer Kultur, wie die entlegensten Weltteile zu unserem Luxus. Die Kleider, die wir tragen, die Würze an unsern Speisen und der Preis um den wir sie kaufen, viele unserer kräftigsten Heilmittel und ebenso viele neue Werkzeuge unseres Verderbens - setzen sie nicht einen Kolumbus voraus, der Amerika entdeckte, einen Vasco de Gama, der die Spitze Afrikas umschiffte?

Der Mensch verwandelt sich und flieht von der Bühne, seine Meinungen fliehen und verwandeln sich mit ihm: die Geschichte allein bleibt unausgesetzt auf dem Schauplatz, eine unsterbliche Bürgerin aller Nationen und Zeiten. Wie der Homerische Zeus sieht sie mit gleich heiterm Blick auf die blutigen Arbeiten des Kriegs und auf die friedlichen Völker herab, die sich von der Milch ihrer Herden schuldlos ernähren. Wie regellos auch die Freiheit des Menschen mit dem Weltlauf zu schalten scheine, ruhig sieht sie dem verworrenen Spiele zu; denn ihr weitreichender Blick entdeckt schon von ferne, wo diese regellos schweifende Freiheit am Bande der Notwendigkeit geleitet wird. Was sie dem strafenden Gewissen eines Gregors und Cromwells geheimhält, eilt sie der Menschheit zu offenbaren: „Dass der selbstsüchtige Mensch niedrige Zwecke zwar verfolgen kann, aber unbewusst vortreffliche befördert.”

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»Gleich sei keiner dem anderen, doch gleich sei jeder dem Höchsten: Wie das zu machen, es sei jeder vollendet in sich« Schiller

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Ich denke bei dem Wort Geschichtsforschung nicht an jene herkömmlichen Aufzeichnungen von abgelegenen und belanglosen Geschehnissen, die uns die Jugendzeit verbittert haben, sondern an die Erforschung der Frage, wie der Mensch wurde, was er ist und insbesondere wie er zu seinen jetzigen Überzeugungen gekommen ist.

James Harvey Robinson

"Die Schule des Denkens"
The Mind in the Making, 1921, by James Harvey Robinson, Autorisierte Übersetzung von J. Leithäuser, Verl. d. Druckhauses Tempelhof, Berlin Released: 1949

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