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01 02

[von Friedel Loske]

L.a/W. den 1.2.43

Mein liebes Ruthchen!

Hab vielen schönen Dank für deinen lieben Brief. Von Lotte erfuhr ich nun vom Tode deines lieben Schwiegervaters, und spreche ich dir hiermit meine herzliche Teilnahme aus. Ebenso an Emil ganz besonders. Übermittle sie ihm bitte, denn ich habe jetzt keine Feldpostnummer von ihm. Hoffentlich hat er nun Urlaub bekommen.

Liebes Ruthchen, mir ging es jetzt auch schon fast den ganzen Januar nicht besonders, gesundheitlich. Erstmal war es wohl Überarbeitung der Nerven. Denn ich wurde immer ohnmächtig fast, sogar im Bett. Und das ist ein ganz häßliches Gefühl wenn man sich umlegt und das Bett rutscht so hinten weg. Dies ist ja nun schon besser, bin ja auch mit der großen Arbeit fertig und hab es nun schon leichter. Aber nun bin ich wieder soooo erkältet, Husten und Schnupfen. Du schreibst ich hätte wohl keine Sehnsucht. Ach Ruthchen ---- wenn Du wüßtest wie sehr. Aber du weißt ja wie beschwerlich es ist nach Berlin zu kommen. Komm Du man lieber bald wieder her. Ich bekam am Sonntag auch eine Nachricht von meiner Cousine die bei Tante Ida in Berlin ist. Denk Dir sie hat an dem Sonnabend wo der große Fliegerangriff war, ein Söhnchen Manfred bekommen. Es geht ihr aber gut. Das ist die Cousine, die bloß noch ne halbe Lunge hat, ich habe wohl öfter von ihr erzählt. Sie hat so kurz vor oder nach Alfreds Tod geheiratet, und ist bestimmt Ende Dreißig. Ich soll nun auch recht bald kommen und mir ihr Glück ansehen. Gestern war unser Gerhard bei ihr u. Tante Ida. Er schrieb mir ne Karte. Na die werden schön gestaunt haben. Tante Ida hat ihn mal gesehen als er vielleicht ein Jahr alt war.

Bei uns im Geschäft wird es auch immer schlechter mit dem Personal. Denk dir es sind wieder 4 Frauen gezogen. Frl. Grill, Welfen, Schmidt + Fr. Rau. Und es sollen nicht die letzten sein. Frl. Labor hat auch ihren Jungen schon weg. Hat aber nur eine Stunde gehabt, er war erst 6 1/2 Monat. Sie sind [haben] zufrieden, daß es so ist. Am Sonntag soll sie ja schon nach hier kommen. Aber nun wird sie ja nicht zu uns gelassen werden, denn belegt ja der Totalkrieg alle Arbeitskräfte. Ach was wird bloß noch werden Ruthchen - - Der Krieg ist doch zu grausam. Mit Luzie ist es ja auch furchtbar traurig, sie weint viel. Fritz soll ja auch in Stalingrad sein. Die letzte Nachricht per Luftpost war vom 7.1. und er hat schon seit Nov. von ihr nichts mehr bekommen. Diese Ungewißheit ist furchtbar. Ich war zu [Zörleiners?] Geburtstag über Mittag ein Weilchen eben. Sie ist ja ganz goldig. Aber Luzie, ein Jammer und kein Wunsch kann ihr helfen. Ja und um Ulli nun auch noch d. Sorge zu Hause. Ich kann schon garkeine Nachrichten von Stalingrad mehr hören. Ruthchen --- wer soll das nur alles verantworten um die armen Menschen dort.

Ich wünsche Dir alles Gute Ruthchen und bin mit vielen lieben Grüßen für Dich, Emil und Wieland deine Friedel.

Hoffentlich ist Wieland wieder wohlauf ???



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